Overlock oder Nähmaschine: Was brauchst du wirklich?
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In jedem Nähforum steht früher oder später der Satz, ohne Overlock sehe nichts richtig fertig aus. Wenn du gerade erst anfängst, klingt das nach einer Anschaffung, die du dringend brauchst. Bevor du Geld ausgibst, lohnt sich die Frage, was die Maschine überhaupt macht und was sie nicht kann, denn die beiden Maschinen lösen unterschiedliche Aufgaben.
Was kann eine Overlock, was die Nähmaschine nicht kann?
Die Overlock erledigt drei Arbeitsschritte in einem Durchgang: Sie näht die Teile zusammen, versäubert die Schnittkante und schneidet die überstehende Nahtzugabe dabei sauber ab. Genau das ist der Grund, warum gekaufte T-Shirts innen so aussehen, wie sie aussehen.
Der zweite große Punkt ist Dehnbarkeit. Die Overlocknaht besteht aus mehreren Fäden, die die Kante umschlingen, und dehnt sich deshalb mit dem Stoff mit. Bei Jersey, Sweat und Bündchen platzt eine normale Geradnaht irgendwann auf, die Overlocknaht macht die Bewegung mit. Dazu kommt der Differentialtransport, der verhindert, dass sich dehnbare Stoffe beim Nähen wellen.
Und sie ist schnell. Wer viele Shirts oder Kinderkleidung näht, spart pro Teil spürbar Zeit, weil das Versäubern als eigener Arbeitsgang entfällt.
Was die Overlock nicht kann
Die Liste ist länger, als viele erwarten, und sie erklärt, warum die Overlock keine Nähmaschine ersetzt:
- Keine Knopflöcher und keine Knöpfe.
- Keine Reißverschlüsse einnähen.
- Keine Absteppnähte, also keine sichtbaren Ziernähte an Kanten, Säumen oder Taschen.
- Keine Naht mitten in der Stofffläche. Der Overlockstich umschlingt immer eine Kante. Das Messer kannst du zwar abschalten und an einer Bruchkante zum Beispiel Abnäher nähen, mitten im Stoff funktioniert die Naht aber nicht.
- Kein Rückwärtsnähen. Vernäht wird über die Fadenkette, die du einnähst oder mit einer Nadel einziehst.
- Kein sauberer Geradstich. Ein normaler Saum entsteht weiterhin an der Nähmaschine oder mit einer Coverlock.
- Auftrennen ist mühsam. Vier Fäden lassen sich schlechter trennen als zwei, und der Stoff ist bereits abgeschnitten. Ein Fehler kostet hier mehr als an der Nähmaschine.
Kurz: Fast jedes Kleidungsstück, das du komplett nähen willst, braucht an irgendeiner Stelle die normale Maschine.
Brauchst du beide?
Wenn du gerade anfängst, brauchst du zuerst eine normale Nähmaschine, und zwar unabhängig davon, was du langfristig vorhast. Ihr Zickzackstich versäubert Kanten ordentlich genug für alles, was zu Hause getragen und gewaschen wird. Viele Maschinen haben zusätzlich einen Overlockstich, der optisch in die Richtung geht. Er ersetzt die Overlocknaht nicht, reicht aber für die ersten Projekte.
Eine Overlock lohnt sich, wenn eine dieser Situationen auf dich zutrifft:
- Du nähst regelmäßig Jersey, Sweat oder andere dehnbare Stoffe.
- Du nähst in Serie, etwa Kinderkleidung, und das Versäubern kostet dich zu viel Zeit.
- Dich stört die Innenansicht deiner Sachen und du willst dieses Finish haben.
Wenn du dagegen vor allem Taschen, Kissen, Deko und Webware nähst, bringt dir eine Overlock wenig. Dort kommst du mit versäuberten Kanten oder gekappten Nähten genauso weit.
Was ist mit Coverstitch und Coverlock?
Die Coverstitch-Maschine ist noch einmal eine dritte Maschine. Sie näht die typischen Doppelnähte an Shirt-Säumen und Ärmelabschlüssen, versäubert aber nicht und schneidet nicht. Eine Coverlock ist das Kombigerät aus beidem, du musst sie für den Wechsel aber jedes Mal umbauen. Für den Einstieg ist das keine Frage, die du beantworten musst. Sie kommt erst, wenn dich die Säume an deinen selbstgenähten Shirts stören.
Eine Reihenfolge, die für die meisten funktioniert
Erst die normale Nähmaschine, und mit ihr so lange nähen, bis du merkst, wo sie dich bremst. Genau dann weißt du auch, ob die zweite Maschine eine Overlock oder eine Coverstitch-Maschine sein sollte. Wer beide Maschinen gleichzeitig kauft, hat oft zwei Geräte, die er nicht bedienen kann, statt einem, das er beherrscht.
Worauf es bei der ersten Maschine ankommt, steht im Ratgeber Nähmaschine für Anfänger. Wenn du bereits eine Overlock hast und vor allem am Einfädeln hängen bleibst, hilft dir der Ratgeber Overlock einfädeln weiter.
Sicherheit: das Messer nicht unterschätzen
Der wichtigste Unterschied im Umgang ist das Messer. Es schneidet mit, sobald die Maschine läuft, und es erkennt keinen Finger. Führe den Stoff seitlich und mit Abstand zur Schneidkante. Beim Einfädeln, Nadelwechsel oder Reinigen die Maschine ausschalten oder den Stecker ziehen, ein versehentlich angetipptes Pedal reicht sonst aus. Nadeln, Pinzetten und ausgebaute Messer gehören außer Reichweite von Kindern.
Fazit für die Kaufentscheidung
Die Overlock ist eine Spezialmaschine für Kanten und dehnbare Stoffe, keine bessere Nähmaschine. Sie ergänzt, was du hast, und sie lohnt sich vor allem dann, wenn du weißt, wofür du sie einsetzt.
Je nachdem, an welchem Punkt du stehst, passt ein Kurs für den Einstieg an der normalen Maschine oder einer, der die Overlock von Grund auf erklärt. Beides findest du unten, eine Übersicht dazu gibt es im Vergleich der Nähkurse.
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