Overlock einfädeln: Reihenfolge und typische Fehler
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Die Overlock steht da, ein Faden ist gerissen, und du traust dich nicht, die Klappe zu öffnen. Kaum ein Thema sorgt beim Nähen für so viel Respekt wie das Einfädeln der Overlock, und viele Maschinen stehen genau deshalb ungenutzt im Schrank. Der Ablauf ist dabei kein Geheimwissen, er ist nur unverzeihlich gegenüber Reihenfolgefehlern.
Warum gilt das Einfädeln als so schwierig?
Weil eine Overlock nicht wie eine Nähmaschine mit einem Ober- und einem Unterfaden arbeitet, sondern je nach Naht mit drei oder vier Fäden gleichzeitig. Zwei davon laufen nicht durch Nadeln, sondern durch Greifer, und die Greifer liegen tief in der Maschine, teils hinter dem Messer. Dazu kommt: Die Fäden greifen ineinander. Ein Faden, der in der falschen Reihenfolge eingelegt wurde, liegt unter statt über dem anderen, und dann bildet sich schlicht keine Naht, auch wenn optisch alles richtig aussieht.
Der zweite Grund ist, dass fast jedes Modell anders aussieht. Farbige Einfädelwege gibt es bei vielen Maschinen, aber Greiferpositionen, Klappen und Spannungseinheiten unterscheiden sich. Das Handbuch deiner Maschine ist deshalb die verbindliche Quelle, nicht das Video zu einem fremden Modell.
Die Reihenfolge der Fäden
Viele Maschinen wollen die Greifer zuerst und danach die Nadeln, meist von innen nach außen. Ob dabei Unter- oder Obergreifer zuerst dran ist, unterscheidet sich je nach Modell, das steht in deinem Handbuch. Fest steht nur: Die Nadeln kommen zuletzt, sonst liegt der Nadelfaden beim Greifer im Weg.
Drei Dinge, die den Ablauf spürbar einfacher machen:
- Nähfuß hochstellen. Nur dann öffnen sich die Spannungsscheiben und der Faden rutscht wirklich hinein. Ein Faden, der neben statt zwischen den Scheiben liegt, ist eine der häufigsten Fehlerquellen überhaupt.
- Handrad in die richtige Position drehen. Greifer lassen sich nur in einer bestimmten Stellung erreichen. Dreh dich langsam heran, statt mit der Pinzette zu kämpfen.
- Fadenketten-Trick statt komplett neu einfädeln. Wenn du nur die Garnfarbe wechselst und alle Fäden noch intakt sind: Garnrolle abschneiden, neues Garn an das alte Fadenende knoten, Nähfuß hochstellen und die Fäden vorsichtig durchziehen, bis der Knoten durch ist. An den Nadeln knotest du nicht durch das Nadelöhr, dort schneidest du vor dem Öhr ab und fädelst neu ein.
Wenn ein Faden gerissen ist, hilft der Trick nicht. Dann fädelst du diesen Faden komplett neu ein, in der genannten Reihenfolge, und zwar auch die Fäden, die danach kommen, wenn sie sich beim Ziehen gelöst haben.
Typische Fehlerbilder und was dahintersteckt
Die Overlock sagt dir mit dem Nahtbild ziemlich genau, wo das Problem liegt:
- Es entsteht gar keine Fadenkette. Meist stimmt die Greiferreihenfolge nicht oder ein Greiferfaden liegt nicht korrekt in seiner Führung. Komplett neu einfädeln, Untergreifer zuerst.
- Die Naht löst sich, sobald du am Stoff ziehst. Ein Nadelfaden hat die Schlinge des Greiferfadens nicht gefasst. Häufig ist die Nadel stumpf, verbogen, falsch herum eingesetzt oder nicht ganz nach oben in die Nadelaufnahme geschoben.
- Schlaufen an der Stoffkante, die Naht wirkt lose. Fadenspannung zu locker, oder ein Faden liegt neben den Spannungsscheiben, weil der Nähfuß beim Einfädeln unten war.
- Die Kante zieht sich zusammen oder wellt. Zu hohe Spannung, zu viel Differentialtransport oder umgekehrt zu wenig. Stell den Differentialtransport an einem Reststück des gleichen Stoffes ein, nicht am Werkstück.
- Regelmäßige Fehlstiche. Prüf zuerst die Nadel: falscher Typ für den Stoff, stumpf, oder für Jersey keine Nadel mit runder Spitze. Bleibt es dabei, liegt es an der Fadenführung oder an der Greiferspannung.
- Fadenriss immer an derselben Stelle. Prüf die Fadenführung auf Kerben oder Grate und ob der Faden sauber von der Rolle läuft. Altes, sprödes Garn reißt ebenfalls gern.
Ein Hinweis, der sich lohnt: Näh nach jedem Einfädeln erst eine Probenaht auf einem Stoffrest, bevor du an dein Projekt gehst. Das kostet zwei Minuten und erspart dir, eine Naht aus einem fast fertigen Shirt wieder aufzutrennen.
Sicherheit beim Arbeiten an der offenen Maschine
Die Overlock hat ein Messer, das den Stoff beim Nähen beschneidet, und es ist scharf. Schalte die Maschine beim Einfädeln aus oder zieh den Stecker, statt nur den Fuß vom Pedal zu nehmen. Wenn du in der geöffneten Maschine mit der Pinzette arbeitest, reicht ein versehentlich angetipptes Pedal für eine Verletzung aus. Nadeln, Messer und Pinzetten gehören außer Reichweite von Kindern.
Wenn das Einfädeln der einzige Bremsklotz ist
Viele, die eine Overlock haben, können eigentlich nähen und scheitern nur an diesem einen Punkt. Wenn das bei dir so ist, lohnt es sich, den Ablauf einmal in Ruhe an deiner Maschine zu üben, mit vier verschiedenen Garnfarben, damit du siehst, welcher Faden wo landet. Ob du die Overlock überhaupt für alle deine Projekte brauchst, klärt der Ratgeber Overlock oder Nähmaschine.
Wenn du das Einfädeln lieber Schritt für Schritt gezeigt bekommst als es dir aus dem Handbuch zusammenzureimen, hilft ein Kurs weiter. Welche es gibt und worin sie sich unterscheiden, steht im Vergleich der Nähkurse. Ein Kurs, der gezielt auf Overlock-Probleme eingeht, ist dabei etwas anderes als einer, der die Maschine von Grund auf erklärt. Passende Varianten findest du unten.
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